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Konsens beim Rückgriff auf die sechziger Jahre

Diskutierten Wege der Weiterbildung: Dr. Roman Jaich (ver.di), Ansgar Klinger (GEW), Dr. Jens Brandenburg MdB (FDP), Dr. Stefan Kaufmann MdB (CDU), Jan-Martin Wiarda (Wissenschafts- und Bildungsjournalist), Martin Rabanus MdB (SPD), Birke Bull-Bischoff MdB (LINKE), Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn MdB (B’90/GRÜNE), Hans-Peter Eich (Bildungsmarkt e.V.), Siegfried Schmauder, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft DWT. Foto: Franz Siegert

Fünf Politiker und Branchenvertreter im Gespräch: „Koalitionsvertrag – wo bleibt die Weiterbildung?“

Berlin | Die Veranstaltung des Deutschen Weiterbildungstages (DWT) am 24. April in der Urania in Berlin war ein voller Erfolg. Etwa 70 Teilnehmende diskutierten mit fünf Bundestagsabgeordneten, Sprecherinnen und Obleuten der Fraktionen, zwei Trägervertretern und zwei Gewerkschaftsvertretern die Lage der Weiterbildung in Deutschland zu Beginn der neuen Legislaturperiode.

Es gab viel Widerspruch, aber auch Konsens in der Einschätzung der Lage und darum, was jetzt zu tun sei. Erstaunlich war der Rückgriff auf die späten sechziger Jahre. Es gibt Forderungen nach einem Weiterbildungsgesetz, das Strukturen und Ressourcen der zersplitterten Weiterbildung in Deutschland zusammenfassen und koordinieren soll. Interessant der Vergleich: Ende der sechziger Jahre gab es eine ganz ähnliche Situation. Es gab eine florierende Wirtschaft und einen großen Bedarf an qualifizierten Fachkräften. Es gab den Deutschen Bildungsrat und die Enquete-Kommission, Ähnliches steht jetzt im Koalitionsvertrag. Die damalige Reaktion der Politik war die Schaffung des Arbeitsförderungsgesetzes, das zum Ziel hatte, für den Arbeitsmarkt zu qualifizieren und zur Vollbeschäftigung beizutragen. Und auch das Berufsbildungsgesetz trat in Kraft, das die vielen zersplitterten Einzelregelungen bei der Berufsausbildung gebündelt und Qualität und Struktur in Ausbildung und Ausbildungsberufe gebracht hat.

Es gibt Forderungen nach einem Weiterbildungsgesetz, das Strukturen und Ressourcen koordinieren soll.

Vielleicht könnte die heutige angemessene Reaktion ein Weiterbildungsgesetz sein, oder zumindest – so formulierte es ein Abgeordneter – eine strukturierte Zusammenführung aller Weiterbildungsregelungen, ähnlich wie die Systematik der Sozialgesetzbücher, die auch in den sechziger Jahren entwickelt wurde.

Die Zersplitterung und Zerstückelung der Weiterbildung wurde beklagt, ebenso die Aufspaltung der Förderung in Bildungs- und Arbeitsministerium. Dass noch viel Koordinierungsbedarf und Blick über die verschiedenen Tellerränder benötigt wird, wurde besonders beim Thema Digitalisierung deutlich. Hier gibt es großen Handlungsbedarf und auch die Hochschulen könnten Beiträge leisten, wenn die Politik hier endlich die richtigen Anreize setzen würde. Die „Zukunft der Arbeit“ in einer digitalisierten Welt und die damit verbundenen Weiterbildungsnotwendigkeiten sind bei weitem noch nicht so im Fokus, wie dies notwendig wäre.

Konsens bestand darin, dass nicht unbedingt zu wenig Geld „im System“ ist, sondern dass es an Koordination fehlt, damit das Geld fokussiert auf die verschiedenen Bereiche sinnvoll ausgegeben wird.

Ganz wichtig und lobend zu erwähnen bei der Vielzahl der Diskutanten auf dem Podium und der lebhaften Beteiligung des Publikums, war die ausgezeichnete strukturierte klare und straffe Moderation von Jan-Martin Wiarda, Wissenschafts- und Bildungsjournalist. Walter Würfel

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