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BBB-Info-Brief Dezmeber 2017

Berlin ist und bleibt spannend

Bildungsverband stellt Forderungen an neue Regierung. Wer aber ist zuständig?

Berlin | Bei Redaktionsschluss war noch immer nicht klar, wie eine künftige Bundesregierung aussehen wird. Ob wir beim nächsten BBB Info-Brief im Februar 2018 mehr wissen? Wir dürfen gespannt sein.

Der Vorstand des Bildungsverbandes konkretisiert am 16. November seine Forderungen* gegenüber der Regierung: (v.l.n.r.) Dirk Jedan, Dina Bösch, Achim Albrecht, Sigrid Baumann-Tornow, Thiemo Fojkar (Vorsitzender), Jörg Becks, Walter Würfel (Geschäftsführer), Dietrich H. Ponath.

Unabhängig von der Zusammensetzung der neuen Bundesregierung gibt es aber viele Themen unseres Verbandes und der Bildungsbranche, die dringend zu bearbeiten sind. Klarheit müsste geschaffen werden bei den Schwerpunkten: Weiterbildung, Grundbildung und Alphabetisierung, Digitalisierung, Migration, Förderung von Geringqualifizierten, Jugendliche zwischen Schule und Beruf und vieles mehr.

Wir haben unsere Erwartungen an die neue Bundesregierung formuliert, die der Vorstand auf seiner Sitzung am 16. November verabschiedet hat . Dieses *Punktepapier wurde denjenigen Abgeordneten, Ministerpräsidenten, Parteivorsitzenden aller Parteien geschickt, die an den Sondierungsgesprächen beteiligt waren. Auch die für Bildung und Arbeitsmarktpolitik zuständigen SPD-Abgeordneten haben das Papier erhalten. Wir wollen diese Erwartungen dann, wenn die Regierung steht, natürlich auch in persönlichen Gesprächen mit den Parlamentariern aus Regierung und Opposition erläutern und Lösungsvorschläge entwickeln.

Unter der Prämisse, dass in einer starken, konkurrenzfähigen Wirtschaft für alle eine Teilhabe am Arbeitsmarkt und an der Gesellschaft möglich sein muss, hat der Bildungsverband Punkte formuliert, die von der neuen Regierung vorrangig bearbeitet werden müssen.

Weiterbildung

Zur Sicherstellung einer effektiven und zielorientierten Weiterbildung muss ein Weiterbildungsgesetz verabschiedet werden, hier sind sich Bildungsverband, GEW und Verdi einig. Der disparate, unübersichtliche und intransparente „Markt“ der Weiterbildung mit seinen ganz unterschiedlichen Steuerungslogiken und Finanzierungsmöglichkeiten muss in einem solchen Gesetz strukturiert und überschaubar gemacht werden.
Wir haben in Deutschland 7,5 Mio. funktionale Analphabeten. Außerdem immer noch 1,5 Mio. junge Erwachsene ohne beruflichen Bildungsabschluss. Das in einer Situation, wo wir wissen, dass Fachkräfte jeglicher Provenienz dringend gesucht werden, und wo der Fachkräftemangel sich in den nächsten Jahren noch deutlich verstärken wird. Da muss Grundbildung und Alphabetisierung zwischen Bund und Ländern koordiniert und verstärkt werden, eine eminent wichtige Aufgabe.

Förderung Jugendlicher zwischen Schule und Beruf

Ein weiteres Fachkräftepotenzial bilden diejenigen Jugendlichen, die am Übergang Schule – Beruf noch keine adäquate Ausbildung finden. Immer noch befinden sich jährlich 250.000 Jugendliche im so genannten Übergangssystem, das keine direkte anschluss- oder abschlussfähige Qualifikation verschafft, obwohl alle wissen, dass eine abgeschlossene Berufsausbildung der wichtigste Schutz vor Arbeitslosigkeit ist.

Förderung von Geringqualifizierten

Die Nachqualifizierung und das Nachholen von Abschlüssen, auch die Weiterbildung von so genannten Geringqualifizierten muss wesentlich breiter propagiert, aber auch besser und unbürokratisch gefördert werden. Junge Erwachsene, die keinen Abschluss haben, müssen motiviert werden, diesen nachzuholen oder sich umzuorientieren, und das bei Möglichkeiten, den Lebensunterhalt während der Qualifizierung angemessenen zu sichern.

Digitalisierung

Die Weiterbildungsbranche ist hier gefordert, sowohl in der Unterstützung betrieblicher, arbeitsplatzbezogener Weiterbildung, als auch präventiver Maßnahmen, die sich auf die Entwicklung und Erweiterung von digitalen Kompetenzen beziehen. Im Zusammenhang lebensbegleitenden Lernens sind Weiterbildungen zu fördern, die sich mit der Bewältigung von Strukturwandel am Arbeitsplatz und in der Gesellschaft beziehen.

Migration

Auch was die weitere Integration der zu uns geflüchteten Menschen betrifft, gibt es noch weiterhin großen Handlungsbedarf. Die kombinierte sprachliche und berufliche Förderung muss weiter verbessert und soziale Integrations- und Orientierungshilfen adäquat erweitert werden.
Diese und einige andere Themen wollen wir, sobald die Regierung und die entsprechenden Ausschüsse gebildet sind, mit den Parlamentariern besprechen und uns in einen konstruktiven Dialog begeben. Wir sind gespannt, welcher Regierung wir dann gegenüberstehen werden! Walter Würfel