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Wie gestalten wir die Digitalisierung der Arbeitswelt?

Von Björn Böhning, Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit und Soziales

Berlin | Die Arbeit geht uns auch bei fortschreitender Digitalisierung nicht aus. Aber gerade in
bestimmten Branchen werden die Fortschritte bei Künstlicher Intelligenz und Automatisierung dazu führen, dass sich Berufsprofile und Tätigkeiten verändern, gerade in Verwaltung, Banken, Versicherungen und in der Produktion. Dieser Prozess hat bereits begonnen. Es geht also nicht um das „ob“, sondern das „wie“: Wie gestalten wir die Digitalisierung der Arbeitswelt, damit aus technischem Fortschritt auch sozialer Fortschritt wird? Die Einstellungen der Menschen gegenüber der Digitalisierung sind unterschiedlich: Die Einen verbinden mit ihr in erster Linie die Hoffnung auf selbstbestimmtes Arbeiten und mehr persönliche Freiheit. Andere befürchten den Verlust ihres Arbeitsplatzes und sorgen sich um ihre gesellschaftliche Stellung. Angesichts solch unterschiedlicher Erwartungshaltungen ist es unser Ziel, Schutz im Wandel mit neuen Chancen für alle Beschäftigten zu verbinden.

Meine Vision ist, dass jeder und jede Einzelne die eigene Berufsbiografie selbst gestalten kann.

Meine Vision ist, dass jeder und jede Einzelne die eigene Berufsbiografie selbst gestalten kann und ausreichende Wahlmöglichkeiten für unkomplizierte Einstiege, gelingende Umstiege und mögliche Aufstiege im Berufsleben hat. Hinter allem steht das Ziel, dass Bildungszugang, Erwerbstätigkeit und Aufstieg keine Frage der sozialen Herkunft sind.
Wir wollen die Teilhabe von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern auf dem Arbeitsmarkt der digitalen Zukunft sichern und es für Unternehmen ermöglichen, die Fachkräfte zu finden, die sie für den digitalen Wandel in ihren Betrieben benötigen.
Neben den Veränderungen des konkreten Arbeitsplatzes oder des konkreten Berufsbildes entstehen mit der Digitalisierung aber auch neue Arbeitsformen, wie Plattformökonomie und Crowdworking. Sie sind mit den „klassischen“ Instrumenten der Arbeitspolitik – Stichworte sind soziale Sicherung, Mitbestimmung, Tarifbindung, Arbeitsschutz – schwer zu fassen. Es entstehen neue Erwerbsformen zwischen abhängig Beschäftigten und neuen Selbständigen.

Mit dem Weißbuch „Arbeiten 4.0“ hat das BMAS eine viel beachtete Debatte angestoßen und wichtige Grundlagen für unsere konkrete Arbeit geschaffen.

Es gibt also viel zu tun. Im Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) haben wir daher eine eigene Abteilung „Digitalisierung und Arbeitswelt“ etabliert. Wir fangen aber nicht bei null an: Mit dem Weißbuch Arbeiten 4.0 hat das BMAS bereits in der letzten Legislaturperiode eine viel beachtete Debatte angestoßen und wichtige Grundlagen für unsere konkrete Arbeit geschaffen. Darauf bauen wir auf.
Eine zentrale Frage ist für mich: Wie können die Beschäftigten von heute auch fit für die Arbeit von morgen bleiben? Dafür ist Weiterbildung und Qualifizierung eine maßgebliche Antwort. Hier müssen wir gemeinsam die Voraussetzungen deutlich verbessern: in den Betrieben, in den Tarifverträgen und in der Politik. Ein erster Schritt ist das Qualifizierungschancengesetz, das Bundesminister Hubertus Heil auf den Weg gebracht hat. Mit dem Gesetz wollen wir die Weiterbildungsförderung deutlich verbessern, den Versicherungsschutz in der Arbeitslosenversicherung ausweiten und die Beschäftigten und Arbeitgeber durch Senkung des Beitragssatzes zur Arbeitsförderung deutlich entlasten.

Wir wollen mit den Sozialpartnern, den Ländern, der Wissenschaft, den Weiterbildungsverbänden und unter Einbeziehung der betrieblichen Ebene den Dialog suchen und die richtigen Weichen für die Zukunft stellen.

Es gibt darüber hinaus den konkreten Auftrag im Koalitionsvertrag an uns, eine Nationale Weiterbildungsstrategie zu entwickeln. Sie soll die Weiterbildungsprogramme des Bundes und der Länder bündeln, entlang der Bedarfe der Beschäftigten und der Unternehmen ausgerichtet werden, und dazu beitragen, eine neue Weiterbildungskultur zu etablieren. Die Bundesministerien für Arbeit und Soziales sowie für Bildung und Forschung werden hierfür die gemeinsame Federführung innerhalb der Bundesregierung wahrnehmen.

Ziel ist die Reformierung, Systematisierung und Stärkung einer Weiterbildungspolitik, die lebensbegleitendes (Weiter-) Lernen unterstützt.

Wir wollen zusammen mit den Sozialpartnern, den Ländern, der Wissenschaft, den Weiterbildungsverbänden und unter Einbeziehung der betrieblichen Ebene den Dialog suchen und die richtigen Weichen für die Zukunft stellen. Ziel ist die Reformierung, Systematisierung und Stärkung einer Weiterbildungspolitik, die lebensbegleitendes (Weiter-) Lernen unterstützt.
Dies möchten wir auch mit Ihnen gemeinsam umsetzen: Wir laden alle interessierten Akteure aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft zu einer breit geführten Debatte über die Neugestaltung der Weiterbildungspolitik in Deutschland ein.
Deshalb freue ich mich auch auf Ihre Beteiligung. Packen wir es mit vereinten Kräften an.

 

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