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Unternehmen sind bereit, auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ohne Berufsabschluss einzustellen

Weiterbildung

Die Bertelsmann-Stiftung und der Bildungsverband haben gemeinsam ein Projekt unter dem vorläufigen Arbeitstitel "MyTQ" ins Leben gerufen

Vollwertige Ausbildung erhöht wesentlich die Chance, dauerhaft auf dem Arbeitsmarkt zu bestehen

Mehr als 80 Prozent der Unternehmen sind bereit, bei Bedarf auch Menschen ohne Berufsabschluss einzustellen. Grund dafür sind vor allem der hohe Grad der Spezialisierung in vielen Betrieben und der grundsätzlich herrschende Fachkräftemangel. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Umfrage der Bertelsmann-Stiftung unter knapp 3000 Unternehmen, die veröffentlicht wurde. Danach ermöglicht vor allem die hohe Spezialisierung und Arbeitsteilung in Unternehmen eine Beschäftigung für Menschen ohne Berufsabschluss. Viele Unternehmen suchen sogar Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die lediglich eines der üblicherweise fünf bis sechs Einsatzfelder eines Berufs beherrschen. Solch flexible Einstiege für geringqualifizierte Menschen ohne Berufsabschluss ermöglichen die Teilqualifizierungen. Allerdings betonte die Bertelsmann-Stiftung bei der Vorstellung der Studie, dass arbeitsmarktpolitisch für arbeits- und neue berufliche Perspektiven suchende Menschen der Erwerb eines vollwertigen Berufsabschlusses immer noch Vorrang haben sollte. Für eine nachhaltige Integration in den Arbeitsmarkt genügt es demnach nicht, ein Berufsbild nur in einzelnen Handlungsfeldern zu beherrschen. Der Erwerb einer Teilqualifikation als zweiter Weg zum Berufsabschluss, so die Bertelsmann-Stiftung, dürfe nicht unterschätzt werden.

„Prinzipiell ist es für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ohne Berufsabschluss natürlich sehr erfreulich, dass auch sie eine Chance auf dem Arbeitsmarkt haben“, stellt der BBB-Vorstandsvorsitzende Thiemo Fojkar fest. „Allerdings birgt es auch eine Gefahr für sie, wenn solche Menschen nur speziell für eine Tätigkeit oder für ein Unternehmen angelernt werden. Eine vollwertige Ausbildung mit einem Abschluss erhöht ihre Flexibilität und die Chance, dauerhaft auf dem Arbeitsmarkt erfolgreich zu sein“, so Fojkar. „Teilqualifikationen sollten außerdem so angelegt sein, dass Beschäftigte durch entsprechende Weiterbildungen letztendlich auch einen Berufsabschluss machen können und so auf wechselnde Herausforderungen vorbereitet sind“, fordert der BBB-Vorstandsvorsitzende. Um sogenannte berufsanschlussfähige Teilqualifizierungen, die zu einem vollwertigen Berufsabschluss führen, öffentlich sichtbarer zu machen und ihre gesellschaftliche Akzeptanz zu fördern, gilt es einheitliche Qualitätsstandards für diese Art beruflicher Nachqualifizierung zu schaffen. Hierzu haben die Bertelsmann-Stiftung und der Bildungsverband gemeinsam ein Projekt unter dem vorläufigen Arbeitstitel „MyTQ“ ins Leben gerufen.