Wie kann das AZAV-System vereinfacht werden, ohne Abstriche bei der Qualität beruflicher Weiterbildung zu machen? Darüber diskutierten 15 Mitglieder des Bundesverbands der Träger beruflicher Bildung (BBB) beim zweiten Parlamentarischen Frühstück des Verbandes im Deutschen Bundestag. Gastgeberin war die CDU-Bundestagsabgeordnete Nora Seitz, Mitglied im Ausschuss für Arbeit und Soziales.
Weniger Bürokratie bei gleichbleibender Qualität
„Qualität ist nicht verhandelbar“, betonte Nora Seitz zu Beginn des Austauschs. Gleichzeitig zeigte sie Verständnis für die Forderungen der Bildungsträger nach weniger Bürokratie und praxistauglicheren Regelungen. Digitalisierung und risikoorientierte Prüfungen könnten wichtige Bausteine einer Reform sein.
Seitz berichtete, dass sich das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) bereits auf Arbeitsebene mit der AZAV-Reform befasse. Eine intensivere Beschäftigung mit dem Thema werde aus ihrer Sicht jedoch erst nach der Reform des Statusfeststellungsverfahrens erfolgen.
BBB-Geschäftsführer Sören Kosanke stellte die zentralen Forderungen des Verbandes vor. Ziel müsse ein Prüfsystem sein, das Qualitätsmängel gezielt erkennt, statt alle Bildungsträger gleichermaßen mit umfangreichen Nachweispflichten zu belasten. Auch der AZAV-Beirat müsse reformiert werden, damit die Erfahrungen und Perspektiven der Bildungsträger stärker in die Entscheidungen einfließen.
Mehr Flexibilität für moderne Weiterbildung
Die anwesenden BBB-Mitglieder brachten zahlreiche Vorschläge aus der Praxis ein. Im Mittelpunkt standen die Vermeidung von Doppelprüfungen durch das sogenannte Once-Only-Prinzip, einheitlichere Zulassungsverfahren und vereinfachte Anforderungen bei Standortänderungen und Folgezulassungen.
Darüber hinaus wurde deutlich, dass das bestehende System moderne Lernformate bislang nur unzureichend berücksichtigt. Insbesondere bei der Beschäftigtenqualifizierung brauche es mehr Flexibilität für selbstgesteuertes Lernen sowie digitale und asynchrone Lernangebote. Auch die Pflicht, bereits vor Beginn einer Maßnahme konkretes Lehrpersonal nachzuweisen, wurde kritisch diskutiert.
Ein weiteres Thema war die Frage, wie Qualifizierung schneller bei Unternehmen und Beschäftigten ankommen kann. Angesichts des wirtschaftlichen Strukturwandels und neuer Kompetenzanforderungen durch Künstliche Intelligenz benötigen Bildungsträger Rahmenbedingungen, die eine zeitnahe und bedarfsgerechte Weiterbildung ermöglichen.
Reform gemeinsam mit der Praxis gestalten
Der Austausch verdeutlichte, dass eine wirksame AZAV-Reform sowohl die Qualitätssicherung stärken als auch den Verwaltungsaufwand deutlich reduzieren muss. Dafür braucht es praxistaugliche Regelungen und eine stärkere Einbindung der Bildungsträger in den politischen Reformprozess.
Mit seinem Positionspapier „Reform des AZAV-Systems: Bürokratie abbauen, Qualität stärken, Innovation ermöglichen“ hat der BBB konkrete Vorschläge für die Weiterentwicklung der Träger- und Maßnahmenzulassung vorgelegt.
Das vollständige BBB-Positionspapier zur AZAV-Reform finden Sie hier zum Download.

