Der Bundesverband der Träger beruflicher Bildung (BBB) hat ein umfassendes Forderungspapier zur Reform des AZAV-Systems vorgelegt. Unter dem Leitgedanken „Bürokratie abbauen, Qualität stärken, Innovation ermöglichen“ schlägt der Verband konkrete Änderungen vor, um die Träger- und Maßnahmenzulassung einfacher, digitaler und stärker an Qualität und Wirkung auszurichten.
Weniger Bürokratie, mehr Fokus auf Qualität
Das AZAV-System erfüllt eine wichtige Aufgabe bei der Sicherung von Qualität und Wirtschaftlichkeit in der öffentlich geförderten Weiterbildung. In der Praxis haben jedoch Dokumentationspflichten, Mehrfachprüfungen und komplexe Zulassungsverfahren erheblich zugenommen. Ressourcen, die für Personalentwicklung, Didaktik und innovative Bildungsangebote eingesetzt werden könnten, werden dadurch zunehmend für administrative Aufgaben gebunden.
Der BBB fordert deshalb eine strukturelle Modernisierung. Im Mittelpunkt stehen unter anderem:
- Doppelprüfungen vermeiden: Mit einem bundesweiten Once-only-Prinzip sollen bereits eingereichte und unveränderte Unterlagen nicht mehrfach vorgelegt und geprüft werden müssen.
- Qualität und Wirkung stärker berücksichtigen: Die Maßnahmenzulassung soll sich stärker auf Inhalte, Lernziele, Arbeitsmarktrelevanz und die tatsächliche Durchführung konzentrieren.
- Digitalisierung konsequent nutzen: Zulassungsunterlagen sollen zentral digital verfügbar sein. Auch vollständig digitale Remote-Audits sollen stärker ermöglicht werden.
- Finanzierung realitätsgerecht gestalten: Der Bundes-Durchschnittskostensatz (B-DKS) soll auf tatsächlich durchgeführten Maßnahmen basieren und Lohn-, Tarif- und Kostenentwicklungen verbindlich berücksichtigen.
- Aufsicht risikoorientiert gestalten: Träger mit dauerhaft hoher Qualität und stabilen Ergebnissen sollen von vereinfachten Überwachungsverfahren profitieren können.
- Innovation ermöglichen: Digitale, hybride und KI-gestützte Unterrichtsformen sollen ausdrücklich als gleichwertige Formen der Maßnahmedurchführung anerkannt werden.
Fachkundige Stellen und AZAV-Beirat weiterentwickeln
Der BBB spricht sich dafür aus, die Fachkundigen Stellen zu erhalten und ihre Rolle zu stärken. Gleichzeitig braucht es klarere Zuständigkeiten, bundesweit einheitliche Qualitätsmaßstäbe und verbindliche Bearbeitungsfristen.
Auch der AZAV-Beirat soll weiterentwickelt werden. Der BBB schlägt unter anderem eine unabhängige Geschäftsstelle, regelmäßige Sitzungen und einen zweiten Sitz für die Bildungsverbände vor, damit die Vielfalt und Praxiserfahrung der Trägerlandschaft stärker berücksichtigt werden.
Qualität statt zusätzlicher Bürokratie
Ziel der Reform muss aus Sicht des BBB ein einfacheres und zugleich qualitätsorientiertes AZAV-System sein. Entscheidend sind nicht zusätzliche Nachweise und Prüfungen, sondern die Qualität der Bildungsangebote, der Erfolg der Teilnehmenden und nachhaltige Übergänge in Beschäftigung.
Das vollständige Forderungspapier „Reform des AZAV-Systems: Bürokratie abbauen, Qualität stärken, Innovation ermöglichen“ finden Sie hier.
